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Jumbos zehn Leben
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"Je oller, je doller"
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Eine
Katze
hat
sieben
Leben,
sagt
man.
Nun,
irgendwo
hat
unser
Jumbo
(31)
wohl
eine
Katze
im
Stammbaum
und
deren sieben
Leben
geerbt...
Seiner
diesbezüglichen
Grosszügigkeit
nach
vermuten
wir,
dass
er
inzwischen
unbemerkt
das
Canadische
Citizenship
für
eingewanderte
Pferde
beantragt
hat,
weil
dieses
Sprichwort
hier
auch
existiert,
allerdings
hat
hier
eine
Katze
dem
Sagen
nach
neun
Leben...
*2* Schon
vor
Jahren
hatte
er
einen
schweren
Jagdunfall.
Sein
Zustand
war
damals
sehr
kritisch,
aber
als
alte
Kämpfernatur
hatte
er
sich
wieder
ins
Leben
zurück-gerappelt.
Die
Sehnenverletzung,
die
er
dank
(damals
noch)
unkonventioneller
Bewegungs-Therapie
und
später
entsprechendem
Reitverhalten
sehr
gut
auskuriert
hatte,
machte
im
Nachhinein
nie
Probleme. *3* Im vorletzten Winter ist er hinter dem Stall gestürzt und kam trotz Decken und Lappen (Hufe umwickelt), Sandstreuen, Heu unterschieben, Anfeuern sowie Gerteneinsatz und dergleichen nicht wieder hoch. Wir hatten ihn fast schon aufgegeben. Nach vielen vergeblichen Versuchen und entkräftet und ausgekühlt schaffte er es doch endlich wieder auf die Beine, weil er bei seinen vielen Bemühungen immer ein Stückchen näher in Richtung Stalltor gerutscht war, wo Schnee und Eis optimal mit Sand gemischt einen groben Untergrund bildeten. *4* Im Juli 2005 hatte er einen kolikartigen Anfall und lag nach vielen Runden Geführtwerdens und absoluter Erschöpfung röchelnd in seiner Box (er wollte unbedingt in seinen Stall). Zwei wohldosierte Spritzen mit Entkrampfungs- bzw. Schmerzmittel (egal was er hatte, er sollte nicht mit Schmerzen sterben müssen) hatten die überraschende Wende zum Guten bewirkt, und nach einigen bangen Stunden fanden wir ihn bei einem weiteren Kontrollgang nachts um zwei in seiner Box stehend – um Heu bettelnd. *5* Im letzten Winter hatte er wiedermal den Anschluss verpasst, als „seine Mädels“ ihrer Wege gezogen waren. Um sie einzuholen hatte er die Abkürzung über das Eis des Teiches hinter dem Haus gewählt und ist auch prompt ausgerutscht. Die feinporige Oberfläche hätte jeden Eiskunstläufer neidisch gemacht, aber für Jumbo war sie alles andere als ein Segen. Auch hier haben wir natürlich mit allen möglichen Hilfsmitteln versucht, ihn wieder auf die Hufe zu bekommen, leider ohne Erfolg. Erst als wir ihn mit dem Traktor an Ketten ans Ufer und ins ausgebleichte Gras gezogen hatten, bestand die Chance, dass die Hufe blieben, wo er sie platzierte, ohne wieder in alle vier Richtungen davonzurutschen. Nach dem Hochrappeln (mit Barts „Hilfe“) ging er unbeeindruckt seiner Wege. *6* Im
Mai
diesen
Jahres
hat
er
allerdings
mit
einem
spektakulären
Ausflug
in
den
altpferdefeindlichen,
morastgrundigen
Teich
am
Haus
den
bislang
grössten
Vogel
abgeschossen.
Wie
so
oft
war
er
mit
der
Herde
unterwegs
und
die
Mädels
kamen
beim
Motorengeräusch
des
herannahenden
Diesel
Trucks
durchs
Wasser
herüber,
um
den
Wagen
zu
inspizieren.
So
halten
sie
es
immer,
wenn
Wolfgang
nachhause
kommt:
es
könnte
ja
etwas
fressbares
auf
der
Ladefläche
liegen...
(Es
gab
Zeiten
in
Deutschland,
da
hätten
sie
eher
einen
Stallbesen
gefressen,
als
ohne
Unmutsäusserung
durch
eine
Pfütze
zu
marschieren!).
*7* Es
bleibt
spannend: Wolfgang hat in Windeseile das Pferd des jungen Reiters abgesattelt und ihn angewiesen, die Stute grasen zu lassen und sich ansonsten nicht von der Stelle zu rühren. So konnte weder der Junge auf dumme Gedanken kommen, und vielleicht doch alleine weiterreiten, noch war Jumbo ohne Gefährte. Dann kam Wolfgang auf den Hof galloppiert, wie von tausend Teufeln gejagt. Ich war grade am Aufräumen und Zimmer herrichten... Es folgte ein fliegender Wechsel: Wolfgang hat den Traktor angeschmissen, die Ketten und den berühmten und vielfach als Rettungsgerät bewährten Longiergurt in die Schaufel gepackt, und ist mit dem Traktor im Renn-Gang zum Cattle Guard gerattert. Ich bin inzwischen mit dem von Wolfgang gerittenen Pferd ebenfalls zu Jumbo gedüst.... Holy Cow! ... So ein absoluter Renn-Galopp in Birkenstockschlappen hat was! Neben dem Cattle Guard lagen vorbereitete, d.h. abgeastete, dünne Stämme für den Zaunbau. Jumbo versuchte immer wieder, seine Füsse aus den Zwischenräumen dieser Rohre zu bekommen, und wenn er es hoch genug schaffte, hat Wolfgang ihm jedesmal schnell einen dieser Stämme quer unter das Bein geschoben, damit er nicht wieder versinkt. So gesichert haben wir dem Dicken dann (wiedermal) den Gurt umgelegt, die Ketten befestigt, und Wolfgang ging, um den Traktor in Position zu bringen. Jumbo war übrigens die Ruhe selbst. Er hat sich die ganze Zeit über den Gräslein hingegeben, die da am Rande wuchsen... bis... ja, bis er sah, dass sich der Traktor näherte. Bei Jumbos Anblick hätte ich schwören können, dass er denkt 'nein, bloss nicht wieder dieses rote Ungetüm!'. Irgendetwas ging in ihm vor, und plötzlich geriet er in Bewegung... er strampelte und ruderte, kam halb auf dem Fahrstreifen des Cattle Guards auf, rappelte sich etwas höher, und robbte, und robbte, und plötzlich war er aus eigener Kraft auf der anderen Seite! Er stand sofort auf und ich hatte mangels Halfter schwer zu tun, dass er nicht mit völlig verschrammten und blutenden Beinen, in voller Montur - mit Gurt und Ketten geschmückt - seinen Weg, der Reitergruppe nach, fortsetzte... Er hatte eineinhalb Wochen dicke Beine und war zu "Gärtchenruhe verdonnert" (der eingezäunte Bereich direkt ums Haus). Dank Rivanol und seiner robusten Natur ging es ihm bald wieder besser. Hätte er sich bei diesem Abenteuer etwas gebrochen, hätten wir ihn noch im Cattle Guard erlösen müssen.
*8* Er
hatte
im
Frühsommer
übrigens
wieder
so
einen
Kolikanfall
gehabt.
Schleppte
sich
über
den
Hof,
scharrte,
wollte
sich
hinlegen,
legte
sich
doch
nicht
hin,
wurde
immer
zittriger
und
erschöpfter
und
unruhiger.
Wolfgang
gab
ihm
schliesslich
das
bewährte
Entkrampfungsmittel
und
hinter
der
alten
Scheune
legte
er
sich
endgültig
nieder.
Der
Herzschlag
wurde
zunehmend
langsamer,
die
Atmung
war
kaum
noch
spürbar.
Jeder
Atemzug
konnte
der
letzte
sein,
und
wir
haben
uns
ernsthaft
von
ihm
verabschiedet,
ihm
für
die
vielen
schönen
Jahre
gedankt
und
ihn
auf
die
"grosse
ewige
Weide"
entlassen.
Selbst
unserem
guten
Freund
Michael,
der
grade
zu
Besuch
war,
ging
das
an
die
Nieren.
*9* Die Beschreibung der Rettungsaktion könnt Ihr oben nachlesen: ja, er hat's wiedermal gewagt... wie letztes Jahr im Mai, wenn das Wasser am höchsten steht... siehe Bilder:
*10* Tja, und Nummer 10 sind dann die letzten Monate, die er unbeschadet und zufrieden bei uns verbringen durfte, bis er dann endgültig auf die grosse ewige Pferdeweide ging... (siehe Jumbo 1975-2007). |