Barb Home Alone 
"Sägespänewitwe, die Zweite"
 

 

16.1.2004 – Dienstag

Nach knapp 3 Jahren reist Wolfgang erstmals wieder nach Deutschland. Meine Güte, ist die letzte Reise schon sooo lange her? Diesmal läuft die Abreise etwas anders ab, obgleich auch das Fliegen ab Kamloops sehr angenehm war. Nein, diesmal nahm Wolfgang spät abends den Greyhound ab 70 Mile House und konnte bis Vancouver sein Nickerchen halten. 
Er hatte - abgesehen von der Aufregung und den ganzen Vorbereitungen - auch noch einen anstrengenden Tag hinter sich. Wir hatten vor Weihnachten bestickte Caps bestellt und die wurden auf den letzten Drücker heute erst fertig. Also ist Wolfgang tatsächlich morgens nochmal nach Kamloops getuckert, um diese Caps abzuholen, und um natürlich nebenbei gleich ein paar Erledigungen zu tätigen. Seine Hoffnung war, noch einen Termin in der Werkstatt zu bekommen, damit die Spur  wieder elektronisch eingestellt werden kann. Wir hatten im Oktober einen Spurstangenbruch links, und sind heute noch mehr als froh, dass dies auf einem grossen Supermarktparkplatz passierte, und nicht bei 100 km/h auf dem Highway... Natürlich hatten wir grade unseren Hänger hintendran und noch 4 Stunden Strecke vor uns (einfach - plus zurück - plus 2 Std nachhause) und einen Abholungstermin im Okanagan (Sam, den Esel und Dave, das Tupfenpferd). Solche Sachen passieren uns nie, wenn wir nur mal so ohne Zeitdruck und Verpflichtung irgendwohin müssen. Trips nach Kamloops sind also nicht immer soooo einfach zu bewältigen, wie uns die Erfahrung lehrt. Nun, der Termin mit der Werkstatt hat geklappt, aaaaaber unsere Reifen waren nicht mehr die neuesten. Das wussten wir schon, hatten wir doch schon vor Wochen versucht, welche hier beim örtlichen Reifenfritzen zu bekommen. Nachdem dieser uns erst vertröstet und dann wohl vergessen hatte, war uns eh klar, dass ein Reifenkauf in Kamloops anstehen würde. Aber soooo schnell...? Aufgrund der schwindelerregenden Reifenpreise der Händlerwerkstatt hat sich Wolfgang in der Stadt  umgesehen und relativ günstig einen Satz gute funktionelle und supergriffige Truck-Reifen besorgen können (und noch dazu mit fachgerechter deutscher Beratung, bei der man auch das Gefühl haben durfte, dass der junge Mann weiss, wovon er spricht, und warum). 
Zum "Abschiedsessen" gab's nach der Heimkehr dafür Hirschkeule mit Rahmsosse, hausgemachten Kartoffelklössen und Cranberries - der Canadischen Antwort auf die Preiselbeeren.
Wir kamen mehr als pünktlich zum Bus und schliesslich galt es, "Auf Wiedersehen" zu sagen. Bart hat die Nacht neben meinem Bett verbracht und sich nicht weggerührt.

 

 17.1.2007 - Mittwoch

Mein erster Tag alleine. Ich meine: so GANZ allein auf der Ranch..., "Barb home alone", sozusagen...  Ich hab morgens gleich alles komplett erledigt, einschliesslich dem Auffüllen von Wasser auf der Koppel. Auch das Holz für den Abend lag schon bereit vor dem Ofen. Nachmittags kam Jackie, die Besitzerin von Dave, dem Tupfenpferd und Sam, dem Esel, und wir haben bei einer Kanne Früchtetee geplauscht. Nein, ich bin nicht knauserig, aber wir sind beide auf Diät...

Apropos Diät: Mittags gab es übrigens Hirschkeule mit Rahmsosse, hausgemachten Kartoffelklössen und Cranberries - der Canadischen Antwort auf die Preiselbeeren...  

 

 

18.1.2007 - Donnerstag

Das Wetter hat sich geändert. Es ist düster grau, und es schneit den ganzen Tag. Um zwei Uhr nachmittags erklimme ich mal wieder den Roten. Zunächst kümmere ich mich um die Zufahrt und räume bis zur geteerten Strasse. Meine Güte, solche Massen. Das habe ich unterschätzt - ich hätte viel früher mit dem Räumen beginnen sollen. Später mache ich mich diesbezüglich dann auf dem Hof nützlich...

Warum nur sieht es bei Wolfgang immer so schön sauber geräumt aus, und bei mir wie Kraut und Rüben? Die tollsten Streifen und Kanten hab ich in der Auffahrt. Wenn ich die hätte reinmachen wollen, wäre mir das wohl so nie gelungen! Nun, man kann mehr als deutlich sehen, dass hier "geräumt" wurde... Nach der Abendfütterung mache ich mich noch über die Eingänge und Durchgänge mit der Schaufel her und hoffe, dass nicht noch mehr von dem weissen Zeug kommt. Der Hof sieht plötzlich viel enger und voller aus.

Ach, da kommt Ihr nie drauf: mittags gab es ganz überraschend Hirschkeule mit Rahmsosse, hausgemachten Kartoffelklössen und Cranberries - der Canadischen Antwort auf die Preiselbeeren...

 

19.1.2007 - Freitag

Es hat die halbe Nacht wieder geschneit... Ich kann mir nicht helfen, aber mir kommt immer öfters dieser Schneeschaufler in den Sinn, der irgendwann ans Anstaltsbett gefesselt endet, vollgedröhnt mit Beruhigungsmitteln..  Kann ich im Moment gar nicht drüber lachen!
Ich habe meinen Friseurtermin abgesagt, und mich stattdessen wieder in den Traktor gesetzt. Zu blöde, wenn man jeden Tag bei null anfängt. Aber mit meiner zweitliebsten Beschäftigung, dem Sch... schaufeln, ist es nicht viel anders... Und ich hatte zwei unschlagbare und motivierende Helfer: Bart, der leidenschaftlich gerne Traktor fährt, und Puffy, einer unserer Kater. Auch er ist ein absoluter Traktor-Fan und begehrt maunzend Einlass, wenn er hört, dass man mit dem Ding unterwegs ist. Ein tolles Gefühl: halb schneeblind vor sich hintuckern, und dabei stets eine turnende Katze um sich bzw. ihren Schwanz im Gesicht zu haben!

 

 

Mittags: Hirsch...

 

 

20.1.2007 - Samstag

Ich denke, ich sage den Friseur erneut ab. Hatte sooo lange Zeit, muss nicht unbedingt jetzt erledigt werden. Nächste Woche ist auch noch ein Tag: "Cariboo Time"...
Heute ist wieder Daves Fuss zum Verbinden dran. Er soll heute zum erstenmal seit Wochen wieder kurz zu den anderen rausdürfen. Bin gespannt, wie das läuft und werde natürlich berichten.
Ein Blick in den Kühlschrank verrät mir: der Hirsch ist alle! Naja, fast fehlt mir ja was... War schon auszuhalten, so ein leckeres Stück Fleisch mit einer guten Sosse... Eigenlob stinkt, also Themawechsel.

Ihr seid wohl etwas ungeduldig? Nein, ich kann Euch noch nicht viel berichten, denn wenn bei Euch Samstagnachmittag/-abend ist, und Ihr am PC sitzt, dann ist bei mir erst Morgen/Vormittag. Ich könnte Euch das Design meiner Kaffeetasse beschreiben, aber ich glaube nicht, dass Ihr das wirklich wissen wollt. Also müsst Ihr Euch leider noch ein bischen gedulden...

 

21.01.2007 - Sonntag

Nun hab' ich gestern so gross getönt, und habe dann doch tatsächlich schwer geschwächelt. Bin absolut früh zubett und war auch sehr schnell im Reich der Träume.

Den Termin hat diesmal meine Friseuse abgesagt. Sie ist krank.

Dave war sehr brav beim Verbinden. Ich habe ihm noch eine dicke Extrabandage um den Fuss gepackt, damit der zur Not noch eine Stütze bzw. ein Polster mehr hat. Man weiss nie. Dann habe ich grosszügig Heu im Hof verteilt, die Racker gerufen, und Dave dazugelassen. Es waren alle redlich mit fressen beschäftigt und so lief die "kurze, probeweise  Wiedereingliederung in die Herde" recht ruhig ab. Erst als Dave merkte, dass eines "der Mädels" den Anschluss verpasst hatte und nun etwas irritiert die Einfahrt heraufgetrottet kam, hat er sich in Positur geworfen - Kopf und Schweif hoch - und ist ihr wiehernd entgegengetrabt. Kein grosser Grund zur Besorgnis, er wollte einfach nur "toll" sein. Erst später, als Joey nach dem letzten Hälmchen dann meinte, er muss Dave daran erinnern, wer eigentlich der Boss ist, und Dave in seiner Not in der schneebeengten Auffahrt in die hohen und harschigen Schneeränder gesprungen ist, habe ich der Begegnung doch lieber ein Ende bereitet.

Nachmittags waren wir wieder als Dream-Team unterwegs: der kleine Rote und ich. Bahngelände räumen war angesagt, eine grössere Fläche ein ganzes Stück weg von der Ranch, wo auf einem Abstellgleis ein Waggon auf seine Reparatur wartet. Es hat nicht geschneit, und so konnte ich ein bischen mit der Räumerei aufholen. Nachts hatten wir einen herrlichen Sternenhimmel und ich freute mich, dass es kälter wurde und erstmal Schluss mit Schnee sein sollte. Nach dem Abendfüttern entfernte ich noch ein bischen Schnee um das Einfahrtstor und die Koppeltüren. Dabei kam die Frage auf, warum bei Bollengabeln (die nehm ich zum Schneeschaufeln, sind wesentlich leichter), grundsätzlich die mittleren Zinken immer zuerst abbrechen müssen (nein, der MITTLERE ist ZUERST abgebrochen! Es war NICHT der letzte Zinken!).

Gestern mittag gab es übrigens gemischten Braten: Elch und Rind, mit Rahmsosse und Cranberries, der Canadischen Antwort auf die Preiselbeeren...
War auszuhalten.

Heute morgen war der Himmel grau und wolkendicht, und ES HAT GESCHNEIT. Das war natürlich niederschmetternd, noch dazu vor dem ersten Schluck Kaffee! Nach dem Füttern habe ich die Zeitschaltuhr für die Koppeltränke wieder eingebaut. Sie ging ein paar Tage nicht korrekt, aber inzwischen funktioniert sie wieder einwandfrei. Im Laufe des Vormittags wurde es  hell und heller, die Sonne kam durch und es wurde noch ein richtig schöner sonniger Postkarten-Winter-Sonntag, den ich angenehm faul verbrachte - einschliesslich einem Schönheitsnickerchen nach dem Essen. Dies ist die Zeit, wo die eingefrorenen Restportionen aufgebraucht werden. Es gab - oh - soll ich's verraten? - gemischten Braten u.C.d.C.A.a.d.P.... (hey, wie habt Ihr die Verschlüsselung so schnell rausbekommen? Ihr seid guuuuut!).
Solche Diäten liebe ich!  Seit Silvester habe ich nun 5 kg runter, obwohl ich mir täglich genüsslich den Wanst vollschlage - einschliesslich Dessert oder Gebäck. Man muss nur wissen, welcher "Stoffwechseltyp" man ist! Allen Diät-Gurus zum Trotz funktioniert es für mich am besten, wenn ich es so halte, wie ich es früher schon immer gehalten habe. Ich gehöre nunmal nicht zum Stoffwechseltyp "Equiden", der 25 Zwischenmahlzeiten am Tag braucht, um seine Verbrennung wach zu halten... Ich gehöre offensichtlich auch nicht zum Stoffwechseltyp "Walfisch", der vor jeder Mahlzeit einen halben Liter Wasser braucht, um seinen Magen zu täuschen! Auch dem Stoffwechseltyp "Nager" entspreche ich nicht... ich esse nicht rohes Grünzeug, um vom Essen abzulenken. Nein, ich gehöre zum Stoffwechseltyp "PYTHON": Reichlichst sattessen, dass nichts mehr reingeht, bis hin zur "Fresslähmung" (Entschuldigung!),  und erst wieder an Essen denken, wenn alles verarbeitet ist. Tja, und wenn ich abends mal lang aufbleibe und meine, ich vermisse etwas, dann mach' ich mir einen (echten) Kakao mit  Magermilch. Diese Art von Schokolade schmeckt ohne Reue und ist auch etwas für die Seele! Aber nicht übertreiben mit dem Kakao, sonst geht's Euch wie den vielen, die von den Staumeldungen betroffen sind...

So, nun ist es spät geworden, und ich werde mich von meinem Computer für heute verabschieden.

 

22.01.2007 - Montag

Ein sonniger traumhafter Tag in unserem Winterwonderland! Das Räumen habe ich auf die Auffahrt beschränkt und war in einer halben Stunde fertig. Jackie kam vorbei, um ihr Pferd und ihren Esel zu besuchen.

 

Nach der Karottenverteilung hatten wir einen netten Weiberplausch mit Tee und Apple-Pie. So ist das Dessert vorgezogen worden, und erst später wurden die hartgekochten Eier verputzt. Na-na... wer wird denn hier gleich von einem kulinarischen Abstieg sprechen? Wir wollen doch nicht gleich den Tierschutz wegen "Hühnerbeleidigung im Amt" rebellisch machen?

Nachdem Jackie wieder  abgefahren war, hab ich nochmal den Traktor bemüht und unseren Hof etwas nachgeräumt, in der Hoffnung, es möge dann ein paar Tage lang so schön glatt und sauber und leicht begehbar bleiben. Ich war voller Zuversicht, denn ich hatte unlängst nämlich einen sehr
angeregten Monolog mit Petrus, bei dem ich alle meine Überzeugungskraft aufgeboten habe.  Z.B., dass es doch hier doch  inzwischen mehr als genug Schnee gibt, und dass halb Deutschland jammert, weil dort - und auch in Österreich und der Schweiz - KEIN bzw. zuwenig Schnee vorhanden ist. Mal sehen, ob er sein Hörgerät im Ohr hatte...

Beim Nachsäubern des Hofes von Schnee und Brocken habe ich übrigens den zweiten Zinken der Gabel abgebrochen... gleich neben dem ersten. Jetzt hat sich die Lücke also verbreitert... Nein, Ihr braucht gar nicht zu feixen: den Schottentest bis zum letzten Zinken lege ich NICHT ab!

 

23.01.2007 - Dienstag

1,5 inches frischer, sauberer Schnee....,  "toll"!  Wenigstens haben wir fünf Grad plus, und ich kann meine Aussenarbeiten im hochgekrempelten Pulli verrichten.

Die Racker haben die Koppeltür geliefert, und ich baue sie gleich beim Füttern aus. Im Moment sind sie eh noch mit dem Hafer beschäftigt, und irgendwann werden sie schon merken, dass offen ist und sie jederzeit rauskönnen. Wie zum Hohn müssen sie aber noch obendrein die zwei obersten Stangen des anderen Koppeltores aushebeln, um RAUSZUKOMMEN... Versteh einer diese Logik... Von Pferden will ich eh kaum sprechen: für mich sind das ausnahmslos  AFFEN! Der Oberaffe hat darüberhinaus den Gummizug an der Stalltüre beschädigt, das Stalltor aufgeschoben und ist mit mindestens zwei weiteren Begleitaffen im Stall rumspaziert während ich heute morgen meine Email-Eingänge gelesen habe. Gut, dass es nichts gab, was wirklich interessant oder gefährlich gewesen wäre. Wir räumen immer gewissenhaft alles weg und prüfen doppelt und dreifach, ob alle Hafersäcke und -kisten dicht und gut verschlossen sind. Der Deckel der Futterkiste war allerdings verdächtig blankgeleckt...
Bis ich diese Sondereinlage bemerkt hatte, waren sie längst wieder über alle Berge. Affen!

Die Reparatur des Koppeltores geht überraschend leicht von der Hand. Bis auf die Tatsache, dass von drei Akku-Schraubern zunächst nicht ein einziger geht, weil die Akkus leer sind. Kein Akku: kein Schrauber. Halt, da war noch der elektrische.... Huiiiiiiihhhhhh, geht der ab! Vor Schreck wäre ich beim ersten Versuch beinahe erst in Williams Lake wieder zum Stehen gekommen...

Nachdem unser alter Jumbo doch sehr viel rumsteht und in der Sonne döst, bekommt er immer sehr spät mit, wenn die Rasselbande im Hof eintrifft. Dann schreckt er aus unendlichen Traumtiefen hoch und kriegt die Panik - und auch meist eins über,  weil er den Dominanzaffen in der Herde (Horde!) nicht schnell genug weicht. Bei den jetzigen Bodenverhältnissen hat es ihn schon mehrfach flachgelegt, und neulich hat er sich sogar beim Sturz  einen 3 cm langen Streifen Schleimhaut aus der inneren Oberlippe losgebissen - genau entlang der Haarlinie. Es hat ziemlich geblutet und ihm hing das Ding ständig aus dem Maul. Nähen konnte man da nichts. Also haben wir es abgebunden, und nach ein paar Tagen ist es von selbst abgefallen. Am Maul ist mittlerweile nichts mehr von der Verletzung zu sehen. Na, um ihm weitere solche "Ausrutscher" zu ersparen, habe ich ihn heute kurzerhand zu Dave mit in die Koppel gepackt, ein paar dicke Haufen Heu reingeschmissen und die Jumbo-Welt war in Ordnung. So ist er auch beim Schneeräumen aus der Sonne, denn unser Jumbo hat die zum Wahnsinn treibende Angewohnheit, sich - sobald der Traktormotor läuft - direkt in die Mitte des Hofes, oder unmittelbar vor den Traktor zu stellen. Ist dann besonders spannend, wenn man vorne den riesigen Lifter dranhat, und hinten die Schneeschaufel, und stets aufpassen muss, dass man ihm die Hufe nicht abfährt... Dieser Tage hat er mitten im Weg gepennt. Kein Gasgeben, kein Hupen, kein Loader-Ratteln hat ihn bewegen können. Ich habe tatsächlich die Schaufel ganz nach oben liften müssen, und habe ihn Centimeter für Centimeter mit dem Traktor vom Weg geschoben. Er hat sich zwar sichtlich darüber gewundert, was ihn da jetzt so vorwärts bewegt, aber er ist sooooo cool, dass ihn selbst das nicht dazu animiert hätte, von selbst ein paar Schritte zu tun.

Heute gab es süss-saure Leber à la Hanne, vom Bio-Schwein,  mit Kartoffelpüree (nix Knorr, oder Maggi... Hausgemacht: gekocht, püriert, abgeschmeckt!). Man gönnt sich ja sonst nichts...

Offensichtlich ist die Geschichte vom Schneeräumer, der ans Bett gefesselt endet, nicht jedem ein Begriff, und so mancher weiss somit gar nicht, worauf  ich zuweilen anspiele. Ich denke, ich werde die Geschichte mit in die Schmökerecke stellen. Dort kann sie jeder, der möchte, nachlesen. Meine Güte, hätte nicht gedacht, dass es so schnell so voll werden wird. Und ich hab' noch was Lustiges für Euch auf Lager! Aber daran arbeite ich noch... 

So, für heute mache ich Schluss.

 

24.01.2007 - Mittwoch

Fast hätte ich heute verschlafen! Irgendwie kam ich heute nicht aus den Federn. Vielleicht wollte ich auch nur nicht erfahren, wie das Wetter draussen ist... Unsere zwei Raben haben mich schliesslich überzeugt. Diese zwei Gesellen treffen allmorgendlich pünktlich zur Fütterung hier ein und mopsen sich, was die Pferde liegenlassen. Aber wehe, sie müssen sich zu lange in Geduld üben! Wenn sich in der 'Hütte da drüben noch immer nichts rührt", und es nicht so aussieht, "als ob da bald mal einer kommt", dann hocken sie sich auf den Zaun und rufen bzw. beschweren sich mit lautem Gezeter und Gekrächze. Also hab ich mich beeilt, um die Affen und die Geier nicht länger warten zu lassen. Ein tägliches Ritual und Phänomen übrigens: Sobald die Stalltüre morgens geöffnet wird und das "Guten Morgen, Ihr alten Stinker" verklungen ist, ertönt ein  Begrüssungsplätschern aus Winnys Box.... Ein wirklich ulkiges Verhalten.

Ich habe das Gefühl, dass Petrus ein wahrlich himmlisches Hörgerät hat! Es hat gestern morgen zwar wieder geschneit hier, aber wesentlich weniger, als bislang pro Nacht üblich. Auch heute waren es tagsüber wieder 6 Grad plus, und wir hatten herrlichen Sonnenschein. Alles taut und tropft und schmilzt. Der Schneepflug vom District war heute da und hat unsere Strasse etwas 'verbreitert'. Das Ding hat doch wesentlich mehr Schmackes, als so ein kleiner Traktor. Leider haben sie wieder nur bis zum Wendeplatz geräumt... hätten die paar Meter bis zu unserem Tor schon noch fahren können... Ich habe auf den Online-Seiten der Zeitung gesehen, dass in Deutschland nun doch noch der Winter eingekehrt ist. Naja... wenn ich die Bilder so anschaue, und die Kommentare vom "wahnsinnigen Schnee", der da runtergekommen sein soll, muss ich schon ein wenig milde Lächeln. Ihr verzeiht mir dies hoffentlich!

Heute abend ist Jahreshauptversammlung von unserem kleinen Tourismusverband rund um den Green Lake und Watch Lake. Ich halte mich also ran und bereite alles vor für die abendlichen Routinearbeiten. Da schaut nachmittags sogar noch ein kleines Nickerchen raus!
Beim Abäpfeln der Einstellerkoppel kommt später der kleine Esel, Sammy (eigentlich SamMule), plötzlich zu mir her und schieb seinen Kopf unter meinen Arm. Beim Kraulen hält er ganz still und drückt seinen Kopf ganz fest her zu mir. Da bin ich natürlich dahingeschmolzen, wie frischer canadischer Schnee bei plus sechs Grad!
Naja, man erkennt sich eben untereinander...

Das war's für heute, ich bin redlich müde und werde jetzt brav zubett gehen, damit ich morgen Huck & Finn nicht wieder enttäuschen muss. Oder soll ich sie vielleicht "Waldorf & Statler" nennen?

 

 

25.01.2007 - Donnerstag

Trotz der molligen Wärme im Haus erstarren meine Gesichtszüge beim morgendlichen Blick auf das Aussenthermometer: minus 21°C! Auch nach vier Jahren Cariboo sind die "dezenten Temperaturschwankungen" für mich noch immer kaum zu fassen. Ich wiederhole also die Prozedur des Ankleidens und ergänze meine Garderobe mit Ski-Unterwäsche...
Heute ist Heuholen  aus dem Heu-Lager  angesagt. Zwar habe ich noch einen  750-kg-Ballen im Stall, aber so lange Traktor und Temperaturen mitspielen, versorgen wir uns lieber optimal und halten uns immer möglichst Reserven bereit. Ich bereite den Boden etwas vor, indem ich das noch verbliebene Heu in die Boxen schaffe und gründlich glattreche. Die Heureste fahre ich mit der Schubkarre hinter den Stall. Die Pferde lungern nachmittags eh immer ums Haus herum, und so werde ich sie wenigstens für eine Weile vom Hof haben. Demnach habe ich denn auch weniger Haufen wegzukratzen... Nach dem Wechseln von Loader (Schaufel) zur Fork (Gabel) geht es also auf in Richtung Heulager.
Die Elche haben ein paar Schrauben demoliert, hatten aber keinen wirklichen Erfolg. Die Stangen waren noch in den Verankerungen und der angefressene Heuballen ist in der Zwischenzeit nicht weiter geschwunden. Es würde nur etwas brenzlig werden, dieses Gewicht sauber auf die Gabel zu bekommen, weil nur noch eine einzige Schnur fest  um den Ballen gewickelt ist. Alle anderen Heuschnüre haben sich bereits gelockert, weil die Herrschaften Elch alles "unterfressen" haben.
Aber mit meinen beiden tüchtigen Helfern Bart und Puffy kann eigentlich gar nix schiefgehen, ausser, dass ich beim Einfädeln der Lifter-Gabel unter den Ballen noch weniger sehe, weil ich wieder diesen Katzenschwanz im Gesicht habe. Er hat's auch immer am Notwendigsten, wenn es spannend wird...

Wolfgang hat mich heute angerufen: Mäxchen ist da! Sohn Daniel ist heute Papa geworden und alle sind gesund und wohlauf. Mäxchen ist etwas sehr früh dran, aber alles ist bestens. Jetzt haben wir EINEN WEITEREN OPA AUF DEM HOF! Herzlichsten Glückwunsch an die glücklichen Eltern!

Nachmittags bin ich mit Karen verabredet. Sie wohnt ca. 2 km von hier und schneidet mir die Haare.

Wenn es so kalt ist, ist der Himmel entsprechend klar. Ich  pack' mich abends nach dem Füttern von Hund und Katz' wieder in die warmen Arbeitsklamotten, setze mich im Dunkeln auf die Veranda und geniesse bei einer Tasse heissem Kakao den unglaublichen Sternenhimmel und die absolute Stille - mit Ausnahme der Pferdehufe, die man von der Koppel her knartzen hört. Einfach paradiesisch!

 

26.01.2007 - Freitag

Ich lasse morgens wie immer zuerst den Hund 'raus und erstarre... Sooooo komische Elche gibt es hier? Nein, es stellt sich heraus, dass drei Pferde (natürlich wieder Joey... und seine Tochter JoeDie, samt Cracker) aus der Koppel ausgebüchst sind und sich hinter dem Stall über die dort deponierten Heureste hergemacht haben. Ich weiss nicht, warum der Rest der Herde zu doof ist, ebenfalls über die zwei kniehohen Stangen zu steigen. Sie kreiseln stattdessen auf der Koppel und warten nervös auf ihr Frühstück. Beim Füttern kommen Joey und JoeDie denn doch an und wollen ihren Hafer. Cracker - letzte in der Rangordnung - geniesst das Alleinsein, und das "Mal-Nicht-Vom-Heu-Vertriebenwerden", und taucht erst viel später wieder auf: vollgefressen, den Bauch schaukelnd, seeeehr zufrieden.
Den Rest des Tages verbringen die Affen natürlich in unmittelbarer Nähe dieser Heureste. Auch die immer hungrige Cracker konnte die Menge alleine nicht annähernd bewältigen, und am Nachmittag liegen 10 Pferde hinter dem Stall in der Sonne und lassen sich reihum die reichlich gefüllte Wampe kraulen (natürlich alles ein bischen mit einer guten Portion Schnee gestreckt). Pferde können sich von ihrer Anatomie her nicht übergeben, aber sie können sehr wohl laut und deutlich rülpsen ... Die dargebotene Geräuschkulisse hätte man locker ein mittleres "Kleinbauern-Konzert" nennen können...

Nachts um vier wurde ich wach und stand auf. So entdeckte ich in unserem Garten einen jungen Elch. In aller Gemütsruhe stakste er dann ums Haus und nachdem er eine Weile unschlüssig im Hof herumstand, wandte er sich in Richtung "hinter dem Stall",  wohl noch eine schwache Witterung der Heuorgie vernehmend, hoffend auf ein paar Reste...

27.01.2007 - Samstag

Ich hinke schwer mit meinen Einträgen nach, ich bitte um Nachsicht! Aber ich habe es tatsächlich im Aufräum- und Lösch-Rausch geschafft, unsere englische Webseite abzuschiessen! Natürlich mache ich solche Dinge mehr als gründlich und daher ist es zur Wiederherstellung nicht einfach mit dem Aufspielen der gesicherten Dateien getan. Selbstverständlich sind diese gesicherten Dateien mittlerweile längst anderweitig kombiniert und umbenannt, und somit sind auch die Hyperlinks (meine Güte, vor 4 Wochen wusste ich noch nichtmal, was das ist!) hyper-hinfällig, weil sie noch nach den alten Dateien suchen, die es nicht mehr gibt.... Und ganz ohne Zweifel sind die entscheidenden Felder im Software-Fenster grau hinterlegt und somit nicht einfach änderbar. Mein diesbezügliches Talent geht eben über die einfachen Dinge weit hinaus... ich habe tatsächlich  "mit links" den Haupt-Frame eliminiert. Zu deutsch: nichts geht mehr... Reicht wohl nicht aus, dass der Truck streikt, weil die Batterie tot ist...
Nunja, um es mit dem typischen EDV'ler Jargon auszudrücken: Ist eigentlich alles nicht weiter schwierig, und das meiste davon ist ohnehin "selbsterklärend". Klar. Was sonst? Inzwischen weiss ich auch, WIE es geht... ist also alles im Grunde Pipifax (wenn man's weiss und wenn man's kann). Fast wie im richtigen Leben... Die nächsten Tage bin ich also hinlänglich mit dem Wiederaufbau der englischen Seite beschäftigt.
Gottseidank habe ich dazu eine nette Software. Das Programm hat einen Editor-Modus, der weitgehend funktioniert, wie Word. Dann gibt es den HTML-Modus, in dem man dann Dinge zuwegebringt, die das Programm offiziell nicht kennt und nicht kann. Zur seelischen Erbauung am eigenen Werk gibt es dann den Vorschau-Modus, in dem dann alles so gezeigt wird, wie es später aussehen soll. Ja, und dann schickt man es auf den Server und landet im Überraschungs-Modus: hier sieht es dann manchmal absolut nicht so aus, wie man eingentlich DACHTE, dass es aussehen WÜRDE...

Heute habe ich eine Email mit "italienischem Inhalt" erhalten... Das schreit natürlich nach entsprechendem Ambiente, und ich habe mir einen Riesenteller Spaghetti einverleibt... VOR DEM PC !! Sicher kennt Ihr alle den Bürowitz, in dem die Sekretärin ihre Tippfehler vom Bildschirm des PCs radieren will... Nein, ich habe NICHT im Umkehrschluss dem Absender signalisiert, dass seine Email voller Tomatensossenspritzer ist. Ich habe einfach den Bildschirm wieder abgeputzt... Si, si, io loso... ein bischen Chaos muss ab und zu mal sein dürfen, und Ihr verzeiht mir hoffentlich, wenn ich etwas übertreibe.

 

 

28.01.2007 - Sonntag

Heute muss ich mich ranhalten, um 13.00 Uhr ist ein wichtiges Gemeindemeeting, und ich werde von meiner Nachbarin abgeholt. Jahreshauptversammlung der hoffnungslos zerstrittenen Feuerwehrler, und jede Stimme zählt. Also bin ich reichlich beschäftigt, schonmal alles vorzubereiten, genügend Holz vor dem Ofen zu deponieren, das Heu für die Affen auf der Koppel auszulegen, den Hafereimer ebenfalls dort bereitzustellen (versteckt, damit sie nicht auf dumme Gedanken kommen, und vielleicht das Tor gänzlich sprengen), sämtliche Wassertränken auffüllen, Stall und Einstellerkoppel misten sowieso. Naja, unsereins gehörte noch nie zum übertriebenen Styling-Lager und ich habe mich ohne Make-up in der Öffentlichkeit auch noch nie "nackt" oder "unvollständig" gefühlt, aber so ganz als Ranch-Schrat will man zum Gemeinemeeting auch nicht aufkreuzen... also wird noch ne gute halbe Stunde im Badezimmer mit einkalkuliert, und dann wird's auch schon ganz schön knapp. Schliesslich ist hier grundsätzlich "nix um die Ecke", sondern es steht eine Fahrt von locker 30 Minuten einfach zur Community Hall bevor. Es wird  alles geboten: von der Tränendrüse bis zur Hetzparole und schliesslich siegt die Vernunft und es wird ein Commitee gewählt, welches schwarz auf weiss die Kosten ermittelt, die bei einer Aufsplittung in zwei eigenständige Feuerwehren auf die einzelnen Grundstückseigentümer zukommen würden. Als ihnen dann allmählich zu dämmern begann, welche finanziellen Konsequenzen diese Aktion mit sich bringt, waren sich viele ganz schnell wieder einig und das ganze endete mit Neuwahlen eines neuen "Boards".

Wir haben nach den Wahlen das Meeting vorzeitig verlassen, um rechtzeitig zum Füttern zuhause zu sein. Die Affen standen im Hof - alle mit einem imaginären Fragezeichen über dem Kopf. Zu meiner grossen Verwunderung stand auch Jumbo herum, den ich vor dem Wegfahren extra zu Dave, mit dem er sich recht gut versteht,  in die kleine Einstellerkoppel gepackt hatte, damit er dort in Ruhe sein Heu fressen kann, und damit ihm nichts passiert auf dem eisglatten Grund, falls es den anderen Dominanzaffen wiedermal einfallen sollte, ihn in der Gegend herumzuscheuchen. Erst neulich ist er wieder böse ausgerutscht und gefallen. Er hat mehr als genug spektakuläre Stürze und dergleichen hinter sich,  und man muss ihn gut aufräumen, wenn niemand am Hof ist (siehe unsere Online-Geschichten "Je oller, je doller"). Beim Checken meiner Emails lese ich die Mail der Einstellerin: sie war hier gewesen und hat, wie ich ihr dringend geraten hatte,  ihr Pferd spazierengeführt. Dave war hier bei uns an der hinteren Seite der Fessel operiert worden (Entfernung einer faustgrossen Wucherung von wildem Fleisch, von einer nicht beizeiten richtig behandelten Verletzung). Leider war die Vet-Entscheidung, ihm eine Art Gips bis zum Fesselkopf zu verpassen, keine sehr glückliche, und nach einer guten Woche war die Naht vom Gipsrand aufgescheuert und wir mussten den Guten in die Tierklinik fahren (natürlich am Sonntag). Er wurde daraufhin erneut genäht und wir wechselten täglich den Verband und richteten ihm im Traktor-Schupf eine Krankenbox ein, denn er hatte eigentlich Boxenruhe verordnet bekommen, was ihn im Stall aber zum Wahnsinn getrieben hätte. 

So hatte er doch immer wieder Besuch von seinen Artgenossen und war relativ zufrieden. Nun also darf er wieder im Corall sein, und mittlerweile dort auch ohne Verband... Bis dato... Er wurde also spazierengeführt, ABER auf dem Nachhauseweg von der Leine genommen und durfte den ganzen Weg  zurückdonnern ... Genau DAS versuche ich zu verhindern, kommt hier doch ein enormes Gewicht auf (Kaltblutmix), ganz zu schweigen von der harten,  schneidenden Schneekruste...  Entsprechend mitgenommen und blutig sieht die Narbe aus, und ich musste alles wieder mit antibiotischer Salbe einschmieren und verbinden... Ich hatte eher an ein langsames aber stetiges Belastungstraining gedacht... Als in der Email ferner stand, dass Jumbo mit seinem Heu fertig war und er deshalb rausgelassen worden ist, 'damit er bei den andern sein kann', musste ich wirklich überlegen, was ich als nächstes tue...

Essen beruhigt bekanntlich: meine Pflichten für den Tag waren so gut wie erfüllt und ich konnte mich später sogar genüsslich dem Rinderbraten mit Rahmsosse und Nudeln widmen. Ach ja, und da war noch ein Glas im Kühlschrank mit einem Rest CdCAadDP...

 

29.01.2007 - Montag

Nein, ich habe es nicht geschafft, die Cranberries restlos zu vertilgen. Es ist also immernoch dieses Glas im Kühlschrank... Gut Ding will Weile haben. Nachdem ich eine Nacht drüber geschlafen hatte, habe ich eine Email abgeschickt an unsere Einstellerin, die natürlich nur beste Absichten gehabt hatte. Nunja, wir alle lernen täglich dazu.

Die Pferde waren heute besonders ekelhaft. Lag es daran, dass sie eine Elchkuh jenseits des Wiesengrundes gesichtet haben und sich deshalb "sicherheitshalber" frustriert auf den Hof zurückzogen (diese Schisser! Willy ist der einzige, der schon einen der Elche zum Frühstück eingeladen und Kopf an Kopf mit ihm gemampft hat!)? Oder lage es daran, dass die rätselhafte Heuquelle hinter dem Stallgebäude heute nicht sprudeln wollte...?

Einerseits hatten sie offenbar zu viel Respekt vor dem Riesenelch, um in den Wald zum Scharren und Grasen zu gehen, andererseits fiel ihnen aber nichts sinnvolleres ein, und sie lungerten im Hof herum, sich ständig kleine biestige Rangeleien liefernd. Bis Joey auf die glorreiche Idee kam, dass man doch eigentlich zu aller Erheiterung den alten Jumbo ein wenig ums Gelände treiben könnte. Der quietscht immer so schön, wenn er nicht mehr weiterweiss... Ich war jedenfalls mit meiner erklärenden Email an unsere Einstellerin noch nicht fertig, als ich ihn draussen quieken hörte. Bis ich rauskam, lag er promt im Hof, natürlich Hufe bergauf, von allen Affen neugierig umringt. Zwar taten sie ihm nichts, aber es war trotzdem ein ungemeiner Stress für ihn. Nachdem ich die Horde auf die Bäume verwiesenhatte (bei meinem Gezeter waren sie wirklich kurz davor...), habe ich dem Alten mal wieder den berühmten Gurt und ein Halfter angelegt, aber wir brauchten beides glücklicherweise nicht. Es hat eine Weile gedauert, bis er wieder auf den steifen Beinen war, aber dank Bart, unserem Jumbo-Schreck ging es wiedermal gut, und der alte Wallach wollte dann nur noch "weg von diesem Hund", in seinen Stall, wo ein Rieseneimer Hafer samt Heu und einer warmen Decke auf ihn warteten. Ja, jetzt müssen wir schon sehr auf unseren alten Dicken aufpassen...

Die Tretzaffen habe ich  anschliessend drangekriegt. Erstens gab es bei soviel Übermut nur eine halbe Ration Hafer. Und zweitens habe ich beim Füttern das Zwischengate auf der Koppel zugemacht, so dass Laddie und Cracker (die beiden sanften Freundinnen, die meist am wenigsten abkriegen) die ganze untere Koppel für sich allein hatten. Leider konnte ich unsere 19jährige Sara nicht rechtzeitig dazu bewegen, ebenfalls nach unten zu kommen. Sie wollte lieber bei ihrem Mama-Sohn Willy bleiben. Na gut... So aber waren sämtliche Gieraffen auf einer Koppel vereint und sie konnten sich nach Herzenslust gegenseitig das Leben bzw. das Fressen schwermachen... Saras Hafer habe ich in deren Heuhaufen gestreut, und sie hat sich's mit Willy gemütlich schmecken lassen, während die anderen nicht wussten, wen sie nun zuerst von welchen (nur drei zur Verfügung stehenden) Eimern vertreiben sollten. ENDLICH hatten sie eine Beschäftigung, und sie haben sich heute mehr als gegenseitig verdient...

 

 

30.01.2007 - Dienstag

Ich habe ein "Appointment in Town", also wieder alles vorbereiten. Man weiss nie, wann man zurückkommt - ein halber Tag ist gar nichts, wenn man hier etwas erledigen muss. Ich habe gerne die Abendfütterung vorbereitet, reichlich Wasser in den Tränkern und immer ausreichend Holz vor dem Ofen liegen, meist mehr, als ich benötige. So kann ich z.B. auch am nächsten Morgen als erste Amtshandlung gleich mal ein, zwei Stämme nachlegen. Als alles fertig ist, habe ich noch eine gute Stunde, um wieder nach meiner englischen Webseite zu forschen, und ich komme tatsächlich weiter. Sie ist inzwischen wieder online, allerdings noch nicht wieder 100%ig auf dem neuesten Stand. Aber das ist das geringste Übel. Kommt Zeit, kommt Rat, kommt Webseite...
Ich muss schmunzeln: es ist noch nichtmal 13.00 Uhr, aber Cracker hat spitzgekriegt, dass das Heu für den Abend bereits auf der Koppel liegt. Geduldig und entspannt steht sie vor dem Türchen und harrt und wartet... Mädel, da stehst du mindestens noch vier Stunden...

Hmmmm.... ich habe nichts aufgetaut. Was mach' ich mir nur auf die Schnelle zum Essen? Getoastetes kräftiges Brot mit reichlich Cheddar-Käse überbacken. Ja, das wäre ganz nach meinem Geschmack. Obwohl der Käse ein sehr kräftiges Gelb hat, sieht er doch irgendwie schmucklos und eintönig aus, auf dem Teller. Das Auge isst schliesslich mit. Da fällt mir ein, dass ich im Kühlschrank noch dieses gewisse Glas habe.... SIE SIND JETZT ALLE! SIE SIND AUFGEGESSEN! Und keine Kommentare bitte - von wegen Cranberries zu  Käse... und selber mampft ihr Weintrauben dazu, weil irgend jemand mal damit angefangen hat und jeder denkt, es sei "schick" ... ha ha ha! Ihr würdet Cranberries zur Not im Margarinebecher züchten, wenn Ihr wüsstet, wiiiiiieee gut die sind!

Auf dem Heimweg fahre ich über 70 Mile House und hole - erstmals seit 2 Wochen - die Post ab...
Dabei schau' ich auf einen Kaffee bei Kathy im "Sam's" vorbei. Ich kenne Kathy von der Gemeinde und von diversen Weihnachtsfeiern her. Sie hat dieses Mini-Restaurant unlängst übernommen, und wir kommen eigentlich nie daran vorbei. Heute habe ich mal endlich die Gelegenheit wahrgenommen, mich umzusehen.

Nicht weit von unserem Ranchtor, kurz vor der Abzweigung zum alten Sägemühlenplatz, kreuzt ein junger Elch meinen Weg und macht sich auf in den Wald, als er das Auto hört. Ich halte an, drehe das Fenster herunter und pfeife. Er bleibt stehen und dreht sich um. "Na, du alter Schisser!", rufe ich ihm zu. Er spitzt die Ohren... "Du warst doch wieder Heu mopsen! Sehe ich dir doch an der Nüsternspitze an!". Fehlte noch, dass er nickt. Ich lasse ihn stehen und fahre ein paar Meter weiter, langsam, um beim Passieren der Abzweigung einen Blick auf das Heulager zu werfen. Ha! Da steht Mutter Elch mit Kalb und guckt mich gross an. UND EINE DER STANGEN IST AUS DER VERANKERUNG GERISSEN. Bingo! Man war also wieder drauf und dran, sich die Wampe vollzuschlagen. Ich steige aus und die Herrschaften legen schonmal den Rückwärtsgang ein. Aber als ich Bart, den es schon fast zerreisst, endlich grünes Licht gebe, legen beide einen vollendeten Elch-Rollback hin und suchen ihr Heil in der Flucht. Glücklicherweise finde ich noch ein paar herumliegende Strohschnüre, um die herausgerissene Stange festzubinden. Auch wenn mein Wolfgang gerne alles 'festschraubt', gegen Nylonschnüre kommen sie einfach nicht an.

Als ich auf die Ranch komme, stehen sämtliche Pferde brav in Reih und Glied sittsam vor dem gewissen Türchen und warten auf Einlass.... auch Joey und Diamond.... und auch die Rotznase JoeDie (die gestern mal eben so aus Übermut über die mit Wasserkanistern beladene Schubkarre gesprungen ist - nein, nicht quer drüber, sondern DER LÄNGE NACH! Na, Lämmi, wie schaut's aus?). Sauber, sag ich! Geht doch! Soooo brave Affen muss man natürlich belohnen, und ich lasse sie sofort in die Koppel und hole auch sofort den versteckten roten Eimer hervor, aus dem es (heute wieder) reichlich Hafer gibt. Es herrschten Ruhe, Einträchtigkeit und Harmonie auf der Koppel... "Friede, Freude, Haferkuchen" sozusagen.

 

 

Tja, morgen kommt mein Wolfgang wieder, und ich habe vorher noch reichlich zu tun. Mal ganz abgesehen davon, dass ich die Bude natürlich ein wenig auf Vordermann bringen will, denn ich will nicht gleich anfangen zu putzen, wenn er grade heimgekommen ist. Sollte sich noch etwas ergeben, melde ich mich selbstverständlich nochmal. Ansonsten hoffe ich, es war auch für Euch vergnüglich, hier zu lesen, und ich verabschiede mich für diesmal und schliesse das Tagebuch.

 

Ende