Canada-Bericht 2/2004 

Hallo liebe Freunde!

es gibt wieder neues aus Canada zu berichten, und diesmal eine ganze Menge, obwohl seit dem letzten Bericht gerade mal gut zwei Monate vergangen sind.

Zunächst mal die Technik... ein unerschoepfliches Thema...
Auch wenn wir nur Funktelefon haben, welches mittlerweile dank einer alten 3-Watt-Anlage und einer Antenne recht gut funktioniert, so haben wir es doch geschafft, einen permanenten Internetanschluss zu installieren. Die Verbindung wird ueber Satellit hergestellt und ist erstaunlich schnell; wesentlich schneller als ein Modemanschluss. Wir sind Tag und Nacht online; eingehende Mails werden alle paar MInuten abgefragt und auch von uns tagsueber oefters kontrolliert. Natuerlich werden sie so schnell wie moeglich beantwortet. Das Ganze ist fuer uns ein Riesenfortschritt, denn aufgrund der Telefonsituation wickeln wir doch das meiste per Email ab, und auch unsere Kontakte zu Freunden und Familie werden hauptsaechlich mit Email gepflegt und durch das Versenden von Bildern stets aktualisiert und belebt.

 

Nun kurz zum Hausbau: die Waende sind gestrichen und der Fussboden ist verlegt. Letzteres war eine nicht endenwollende Arbeit. Die Bodenbretter sind nur 3 inches breit (ungefaehr 7,5 cm) und es wollte und wollte sich kein Erfolgserlebnis einstellen. Kein Wunder, bei einer Flaeche von rund 1800 sqft, was knapp 168 m² entspricht. Aber auch das war irgendwann geschafft. Auch Dave, der Kuechenschreiner hat seine Arbeit begonnen, und Herd und Spuelmaschine stehen bereits auf ihrem Platz. Natuerlich auch der grosse Kuehlschrank mit Eismaschine... 

Da wir gerade beim Bau sind: Auch mit dem Koppelbau direkt am Haus haben wir mittlerweile begonnen. Alle Pfosten fuer Koppel und Roundpen (Longierzirkel) stehen. Die Rails (Querstangen) sind ebenfalls zum grossen Teil angeschraubt.  Bald schon kann ein Teil der Pferde direkt am Haus untergebracht werden, und auf der anderen Koppel das Gras wieder wachsen.

Apropos Pferde: ich hatte Euch  berichtet, dass ich aus Manitoba unter anderm eine hochtraechtige Stute mitgebracht habe. Das Fohlen ist nun da. Willie, so heisst der kleine Mann mit Stallnamen, wurde am 4. 4. 2004 geboren. Ich kam um ca. 22.10 h. in den Stall zur Kontrolle,  und in diesem Moment ist Sara - seine Mutter - grade nach dem Geburtsvorgang aufgestanden. Willie lag noch voellig nass und erschoepft auf dem Stroh. Sara drehte sich um, um zu sehen was sie da in die Welt gesetzt hat. Es ist ein wunderschoenes Hengstfohlen. Inzwischen ist Willie schon ein Grosser und springt mit seinen 2 Monaten laengst schon mit den den anderen Pferden draussen herum. Winny-Wichtig, unsere grosse schwarze Stute aus Deutschland, ist als Patentante engagiert. Bei aller Auf- und Vorsicht hat Willie es vorgestern trotzdem geschafft, sich die Nase derart zu verletzen, dass wir ihn samt Mutterstute in die Tierklinik nach 100 Mile House zum Naehen bringen mussten. Alles ging gut, aber willie musste danach Penizillin gespritzt bekommen, und wer mag das schon... Nunja,  da musste er durch.

Auch allen anderen Pferden geht es gut, insbesondere dem inzwischen 29 Jahre alten Jumbo. Die Herde hat Zuwachs bekommen: wir haben noch Laddie, eine 6jaehrige Quarter-Horse-Stute, und Diamond, eine 10jaehrige Appaloosa-Stute gekauft. Mit Willie haben wir nun 8 Pferde auf dem Hof.

Letzten Sonntag machten Babs und ich einen Ausritt Richtung Green Lake. Auf halbem Weg - zum Green Lake sind es rund 2 Kilometer - ist uns ein Baer begegnet.  Die Pferde waren ganz ruhig, auch Bart, der uns immer begeitet, hat sich nicht sonderlich darueber aufgeregt.

Inzwischen sind auch alle Gaense, Enten, Kraniche und sonstiges Fluggetier aus dem warmen Sueden zurueckgekehrt und  mittlerweile   - jetzt im Juni - fuehren sie schon alle den Nachwuchs aus... . Mit den Gaensen kamen auch die Kolibris. Es wird immer wieder erzaehlt, dass diese kleinen Voegel auf dem Ruecken der Gaense mitfliegen und dies tausende von Kilometern. Als Gegenleistung halten sie ihnen das Gefieder sauber und ernaehren sich unterwegs von dem Krabbelgetier, welches sich bei den Gaensen eingenistet hat. So haben die Gaense praktischerweise auch gleich zweimal im Jahr eine Generalreinigung. Die Firma Gaensefeder- und -Daunenreinigungsgesellschaft hat sozusagen einen Cooperationsvertrag mit Canadian Goose Airlines...  Nun, was den Wahrheitsgehalt dieser Geschichten angeht, so gehen selbst hier die Meinungen weit auseinander...  

Jeden Tag ist ein reges Treiben am Kolibri-Feeder (Spender mit Zuckerwasser). Wir werden wohl noch zwei Spender kaufen muessen, denn es sind heuer weit mehr Kolibris hier, als letztes Jahr: Unser Nachbar Bob (ja, er heisst wirklich Bob, und er hat auch einen Schneepflug!), der sie ebenfalls fleissig gefuettert hat, ist fortgezogen, und "seine" Kolibris mussten sich nach einer neuen Nahrungsquelle umsehen.

Durch die Renovierungsarbeiten im letzten Jahr haben die Schwalben am alten Haus nicht gebaut, bzw. ein halbfertiges Nest ist heruntergefallen und sie haben sich sofort nach ruhigeren Gefilden umgesehen. Dieses Jahr aber sind sie wieder da und bauen bereits am neuen und am alten Haus. Es ist schoen, am Morgen von dem Gezwitscher geweckt zu werden. Auch sorgen sie dafuer, dass die Fliegen und Schnaken nicht ueberhand nehmen.

 

Ende Mai hatten wir besuch aus Deutschland: Hans und Sonja, Reitkammeraden von der Otter Creek Ranch, waren auf ihrer Westcanada-Rundfahrt mit dem Wohnmobil fuer eine Nacht mit Oma hier. Es war sehr schoen und natuerlich gab es viel zu erzaehlen. Wir haben gegrillt und Folienkartoffeln im Feuer erhitzt. Nur, draussen zu sitzen war leider nicht moeglich, denn die Regenperiode war noch nicht zuende. Schade fuer Hans, Sonja und Oma, dass sie so ein schlechtes Wetter bei uns erwischt haben. Aber sie sind ja noch laenger unterwegs und inzwischen ist es sogar schon richtig sommerlich mit Tagestemperaturen um die 27 Grad C.
Auf jeden Fall viele Gruesse an dieser Stelle!

Letztes Wochenende hatten wir unsere erste Reitschuelerin schon hier: Nicole besuchte uns mit ihren Eltern und der kleinen Schwester. Ihre Mama hat erzaehlt, dass sie vor lauter Aufregung die Nacht zuvor kaum geschlafen hat. Jumbo war schwer im Einsatzt -  erst fuer einige Longenrunden, und dann ging es hinaus zu einem kleinen Ausritt. Babs auf Winny und ich auf Laddie haben sie begleitet. Nicole war stolz und Jumbo auch, denn er hatte seit langem mal wieder eine grosse Aufgabe.

Am vergangen Montag startete ich mit Gerhard, einem Freund und Rancherkollegen, zu einer Fahrt nach Californien. Unweit von  Los Angeles holten wir einen 12 Meter langen Pferde-Trailer ab. Das ist ein Riessenhaenger! Fuer diese Fahrt von insgesamt 4.900 Kilometern waren wir vier Tage unterwegs. In Californien waren 38 Grad Hitze und alles, was nicht bewaessert wird, ist verdorrt und verbrannt. Die Fahrt aber war herrlich.

Eigentlich sollte heute, am 5. Juni meine Mutter ankommen, aber sie hat sich den Arm gebrochen, und es ist fuer sie zu beschwerlich mit gebrochenem Arm eine so lange Reise anzutreten. Meine Mutter ist 82 Jahre, sie freut sich aber nach wie vor auf die Reise, die sie auf September verschoben hat.

Ja liebe Freunde, das war mal wieder ein Bericht aus Canada. Barbara und mir geht es soweit sehr gut, und wir geniessen jede Stunde in diesem Naturparadies.

Bis zum naechsten Bericht!

Viele herzliche Gruesse senden Euch

Wolfgang und Barbara

Canada-Berichte