Canada-Bericht 1/2004 

 

Ja, Winter in Canada, an dieses Lied musste ich in den letzten Monaten oft denken, denn unseren ersten Winter hier in Canada haben wir in voller Pracht erlebt. Aber zunaechst mal Hallo von der Graham Dunden Ranch: es gibt wieder einiges zu berichten.

Mein letzter Bericht begann mit den Worten "Es ist Winter in Canada, mit grosser Kaelte bei minus 22 Grad C". Das war aber nur der Anfang. Aber immer schoen der Reihe nach...

Zunaechst mal zum Neubau: das Ranchhaus ist soweit fertig, und unsere beiden Carls haben sich verabschiedet. Carl #2 hat einen neuen Job, Carl #1 ist fuer einen Monat im urlaub und kommt dann auf Zuruf, um die Restarbeiten fertigzumachen. Der Innenausbau ist soweit fortgeschritten, dass wir in den naechsten Tagen alle Waende, die nicht mit Holz verkleidet wurden, tapezieren koennen. Danach kommt der Fussboden rein, und wir koennen vom alten Haus in das neue umziehen. Die Aussenfassade und die Porch (Veranda) werden erst im Fruehjahr gemacht, wenn der Winter vorbei ist. Sobald wir umgezogen sind, werden im alten Haus die Fenster ausgetauscht. Sie sind bereits geliefert und warten buchstaeblich auf ihren Einsatz. Im Juni/Juli ist sicher alles fertig. Der Winter hat uns doch mehr aufgehalten, als zunaechst gedacht, denn minus 22 °C waren nur der Anfang...

Wir hatten im Laufe des Winters bis zu minus 44°C, und dann noch Stromausfall. Natuerlich streikten gleich noch der Traktor und der Truck dazu. An jenem Tag ging einfach alles schief. Ich hatte Hafter in zwei 650-Kilo-Saecken geholt (sind ja nur 350 km einfach), und war gerade dabei, diesen mit dem Traktor vom Anhaenger abzuladen. Doch waehrend der Arbeit ist der Diesel eingefroren und es ging nichts mehr. Dem Truck war es ebenfalls zu kalt, so dass alle Maschinen standen - mitten in der Einfahrt, die Gabel mit dem Hafersack dran hoch in der Luft ueber der Ladeflaeche des Trailers...
Zu diesem Zeitpunkt war unsere Technik im neuen Haus noch nicht ganz so weit, um mit einem Handgriff auf einen Generator umschalten zu koennen (mittlerweile ist das gottseidank so, und das Notstromaggregat ist staendig einsatzbereit). Wir mussten als diverse Verlaengerungskabel legen, um die Heinbaender fuer die Wasserleitung sowie die Heizluefter im Haus anzuschliessen. Die Kabel hier sind fuerchterlich: alles lumpiger Kunststoff, der bei Minusgraden sofort bricht. Da auch die Wasserpumpe keine Stromversorgung hatte, gab es kein Wasser. Wir machten also zusaetzlich noch ein grosses Lagerfeuer und begannen, Schnee zu schmelzen, um die Pferde zu traenken. Wir hatten uns seelisch/moralisch schon darauf eingestellt, die naechsten Tage und Naechte vor dem (gottseidank schon betriebsfaehigen) Kamin im neuen Haus zu verbringen, und uns in dessen unmittelbaren Umkreis auch schon haeuslich eigerichtet, als ploetzlich - 3 1/2 Stunden spaeter - zu unserer grossen Erleichterung der Strom wieder da war. Ihr seht, selbst im tiefsten Winter gibt es etwas aufregendes auf der Graham Dunden Ranch zu erleben...

Die Kaelte war gluecklicherweise nur an zwei Tagen so extrem, aber minus 30-35°C war bis Mitte Februar normal. Bei diesen Temperaturen mussten wir zum Teil mehrmals taeglich die Pferde traenken, denn das Wasser gefror schneller in den Eimern, als sie diese leeren konnten. Die Pferde haben uebrigens die Kaelte ohne Probleme ueberstanden, sie haben ein NOCH dickeres Fell bekommen und sind kerngesund.

Unsere zwei Warmblueter aus Deutschland - Jumbo und Winny - haben inzwischen Gesellschaft bekommen: eine hochtraechtige Appaloosa Stute, einen knapp zweijaehrigen Hengst und eine zweijaehrige Quarter Horse Stute. Diese Pferde haben wir bei Peter und Monika in Manitoba gekauft, wo die Warmblueter die Quarantaenezeit sowie einen faulen Pferdesommer verbracht haben. Aber das ist eine eigene Geschichte.

Gleich im neuen Jahr machte ich mich auf die lange Reise, um die Pferde zu holen. Ausgestattet mit Schlafsack, Decken, Verpflegung fuer die ersten Stunden, und natuerlich mit viiiiiel Kaffee, startete ich Richtung Manitoba. Da Babs bei den Pferden auf der Ranch bleiben musste, fuhr ich die Strecke von 2500 km (einfach) allein, und brauchte dazu drei Tage. Bei Peter angekommen erfuhr ich, dass die jungen Pferde frisch von der Fohlenweide kamen, und noch nicht ans Halfter gewohnt waren, von Erfahrung mit Pferdehaengern ganz zu schweigen. Nach einem Tag Pause fuer mich haben wir am Montagmorgen dann die Pferde verladen. Ich kann meinen Trailer in zwei grosse Boxen aufteilen, so dass die zwei jungen Pferde im vorderen Teil eine gemeinsame Box hatten. Die traechtige Stute kam demnach in die hinteren Box. Die Pferde konnten sich waehrend der gesamten Fahrt in ihrer jeweiligen Haengerhaelfte frei bewegen und sich die fuer sie beste Position aussuchen. Das Verladen ging ueberraschend schnell - die beiden jungen haben sich verhalten wie die Profis. Die Rueckfahrt dauerte natuerlich etwas laenger, denn ich machte viele Pausen. Die Strecke fuehrte durch die herrlichen Rocky Mountains und den Glacier National Park. Die Strassen in Manitoba waren zum Teil schneebedeckt, in Saskatchewan pfiff der Wind ueber den Highway, und im Gebirge gab es dann richtig Schnee. Alle drei bis vier Stunden wurde eine Pause eingelegt, und ich konnte tatsaechlich richtig schlafen - eingepackt in Schlafsack und Decken auf der langen bequemen Rueckbank des Trucks. Der Motor wurde nur zum Tanken ausgemacht; ansonsten lief er pausenlos, was hier bei den Temperaturen ueblich und notwendig ist. Nach der Ueberquerung von zwei Paessen kam ich frueh morgens um 5 Uhr in Revelstoke an und erfuhr dort, dass die Weiterfahrt ueber den letzten Pass wegen Lawinenraeumung bis 1 Uhr am Nachmittag unterbrochen werden muss. Die Strasse war also gesperrt, die ganze Stadt war voll mit Fahrzeugen, und in jedem Lokal sassen Mengen von Leuten, die warteten. Bei Lawinengefahr werden die Schneemassen uebrigens vom Hubschrauber aus abgeschossen, und dann wird die Strasse freigeraeumt. Puenktlich um 1 Uhr nachmittags ging es dann weiter in Richtung Heimat. Nach 60 Stunden Fahrt kam ich mit den Pferden wohlbehalten auf der Ranch an.

Die Pferde haben sich sehr schnell zusammengefunden und bilden eine nette kleine Herde. In den letzten drei Tagen waren die Hufe aller Kandidaten dran. Babs hat die Pferde gehalten und beruhigt (vor allem die jungen), und ich habe die Hufe ausgeschnitten und geraspelt. Die "Teenager", die noch nie einen Hufschmied kannten, haben sich prima verhalten. Wir haben vorher schon Hufe aufheben und auskratzen geuebt, und so gingen raspeln und ausschneiden sehr gut. An dieser Stelle ein herzliches Dankeschoen an unseren Hufschmied in Deutschland: Markus Krahle hat mir viel gelernt in den letzten Jahren, und ich konnte unter seiner Aufsicht immer wieder ueben!

So, das waren mal wieder Erlebnisse aus dem fernen Canada. Ein Teil unserer Freunde kennt die Geschichten schon, denn ich war inzwischen in Deutschland, aber ich konnte ja leider nicht Alle besuchen!

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