Canada-Bericht 4/2003 

Hallo Freunde,

es wird nun endlich Zeit, dass ich mich aus dem fernen Canada wieder melde. Die Zeit vergeht hier einfach wie im Flug. Auch wenn ich lange nichts von mir habe horen lassen, werde ich Euch doch alles genau und der Reihe nach berichten. Gleich vorab: es ist Winter in Canada - mit grosser Kaelte und minus 22°C in der Nacht, aber dafuer tagsueber bei 0 Grad herrlicher Sonnenschein. Damit die Ladezeiten nicht zu lange werden, sende ich mit dieser Mail erstmal die sommerbilder und mit der naechsten mail dann winterbilder (natuerlich bald!!!! versprochen..)

Die letzten Male habe ich Euch vom Erwerb eines Trucks erzählt und davon, dass die Baugrube ausgehoben ist. Nun, inzwischen habe ich auch einen guten und kraeftigen Traktor, den ich bei den Bauarbeiten gut einsetzen kann -  zum Beispiel, um das alte originale (Anno 1927) Outhouse zu versetzen. So ein "altgedientes" Haus ist zu schade zum eireissen. Der Sommer war ja traumhaft und fuer den Bau ideal. Darum sind wir auch sehr weit gekommen. Das heisst, das neue Ranchhaus ist bis auf den Innenausbau fertig. Unser Marco, der inzwischen wieder in Deutschland ist, hat es sich nicht nehmen lassen, ein richtiges Richtfest mit Richtspruch in englisch zu veranstalten! In Canada gibt es so etwas nicht und alle Anwesenden waren begeistert. Meine beiden Soehne Florian und Daniel haben uns auch schon besucht, und beim Bauen fleissig mitgeholfen.

Das Haus wurde im wesentlichen von den beiden Carls erbaut. "Die Carls", das sind gelernte Carpenter, also Zimmerleute, die aber alles koennen. Egal, ob berechnen der Plaene, Betonieren, Tueren und Fenster einbauen, oder Dachdecken. "Carl #1" und "Carl #2" machen alles und koennen alles. Ich bin sehr froh, diese beiden zu haben, denn sie sind auch sehr fleissig. Nur eines koennen sie nicht, und werden es wohl auch nie lernen: das Planen. Oft kommen wir aus der Stadt und bringen benoetigtes Material mit,  und am naechsten Tag heisst es prompt: "Spaetestens morgen brauchen wir dies oder jenes ganz dringend...". Naja, wenn das die einzige Macke ist...

Nun aber genug vom Bau. Wir werden es jedenfalls soweit schaffen, dass wir im Mai schon die ersten Gaeste erwarten koennen, auch wenn die Aussenanlagen noch nicht fertig sind.

Auf dem Grundstueck war auch ein riesiger, unvollendeter Schuppen, der mit gutem Material und Fundament seit ueber 20 Jahren da stand, jedoch nie ein  Dach hatte. Er war einfach oben offen, und nach dem Betreten sah man den Himmel genauso, wie vorher draussen. Inzwischen haben wir ein richtiges schoenes Dach daraufgesetzt,  und Boxen fuer die Pferde eingebaut. Apropos Pferde: unsere Pferde Jumbo - mit seinen 28 Jahren - und Winny,  Barbaras schwarze Stute, haben nicht nur den Flug nach Canada gut ueberstanden, sondern sie haben sich auf der Quarantaene-Ranch in Manitoba richtig wohl- gefuehlt. Da wir mit dem Hausbau beschaeftigt waren, liessen wir die Pferde nach der Quarantaenezeit noch den ganzen Sommer ueber auf der Sprague River Ranch bei Peter und Monika Strasser. Im August wollten wir sie dann endlich abholen. Von einem Nachbarn haben wir einen Pferdeanhaenger geliehen bekommen und machten uns nun auf den Weg nach Manitoba, einfache Strecke 2.500 Kilometer. Wir fuhren zu dritt, damals war Marco noch da, abwechselnd durch und kamen nach 2 Tagen an. Als wir auf die Ranch kamen und unsere Pferde sahen und dann den Pferdehaenger, wurde uns bewusst, dass Quarter Horses doch vielleicht kleiner sind, als riesige Warmblueter. Monika waere beim Anblick des kleinen Haengers fast rueckwaerts umgefallen. Wir haben tatsaechlich das Augenmass verloren bei all den vielen Quarters hier, und ganz vergessen, wie gross dagegen unsere "Reitelefanten" sind. Es waere unmoeglich und auch unverantwortlich gewesen, die beiden Warmblueter in diesem Anhaenger eine so weite Stecke zu transportieren. Unsere Pferde sind an sich schon gross, aber sie waren dank der guten Pflege auf der Sprague River Ranch auch noch dick und rund gefressen. es blieb also nur bei einem Besuch, den wir trotzdem nicht unter 'erfolglose' Unternehmungen abgelegt haben, denn wir konnten erstens Monika und Peter naeher kennenlernen, und zweitens uns selbst davon ueberzeugen, wie gut es den Vierbeinern bei ihnen geht.

Ich musste nun tatsaechlich einen Pferdeanhaenger anfertigen lassen,  und Babs und ich fuhren im September ein zweitesmal nach Manitoba um die Pferde zu holen. Sie sind also nun wohlbehalten auf unserer Ranch eingetroffen. Jumbo, der alte Herr,  hat alles sehr gut ueberstanden,  und Winny (in Manitoba bezeichnenderweise "Staubsauger" genannt) hat weiterhin Angst,  sie koennte verhungern, denn sie ist und bleibt nunmal verfressen.

Auf unserer zweiten Fahrt nach Manitoba hat uns uebrigens erstmals unser Bart begleitet. Ach - Ihr kennt Bart nicht! Ja das ist - neben unseren beiden Katzen Silver und Lucky - ein weiterer Neuzugang auf der Ranch. Bart ist unser inzwischen fast 6 Monate alter Hund, ein Border Collie Mix, ganz lieb und immer fuer Action zu haben. Er faengt auch schon an, auf uns und die Pferde aufzupassen. Am liebsten aber spielt er mit den Katzen, das heisst im Haus. Draussen ist er suechtig nach seiner Plastikflasche. Babs hat eine leere, sehr stabile 2,5 ltr Plastikflasche (Salatoel) fuer ihn reserviert und er flippt fast aus, wenn der dieses ding scheppernd und kratzend im Hoellentempo die schnee- und eisbedeckte Auffahrt entlangschubst. am meisten verrueckt dabei macht ihn, dass das ding von ihm wegrutscht und er es fast nicht greifen kann... da wird er richtig wild.

Im Moment muessen wir auf Bart sehr aufpassen, denn die Koyoten kommen langsam naeher ans Haus. Manchmal ist es schon unheimlich, wenn man sie jagen hoert. Erst kommt ein kurzes Jaulen, dann folgt ein riessengrosses Hetzgejaule und dann absolute Stille. Man weiss dann genau, dass sie wieder Beute gemacht haben...

Ein Elch hat uns auch schon besucht,  und im sommer hat eine Baerin mit ihren drei Jungen das Grundstueck durchquert, wie im letzten Bericht kurz erwaehnt. Inzwischen aber sind die Baeren im Winterschlaf und die Deer, das ist hier eine Hirschart,  sind etwas suedlicher gezogen. Die Kolibris sind  samt der Gaense in den Sueden geflogen. Verschiedene Enten, Haeher und Spechte aber bleiben im Winter hier. Am notwendigsten haben es bei uns aber die Meisen. sie versorgen sich mit Vorliebe vom Misthaufen, denn dort gibt es jede menge Haferkoernchen.

Selbstverstaendlich ist auch mein Freund der Biber noch da. Der Biber hat in diesem Sommer erheblichen Schaden angerichtet und ich muss ihn etwas einschraenken. Dazu haben wir schon Kontakt mit einem Trapper aufgenommen.

So liebe Freunde, ich habe Euch nun das wichtigste ueber die Entwicklung der Graham Dunden Ranch erzaehlt und hoffe, nichts vergessen zu haben. Doch, eins noch: man kann uns jetzt auch telefonisch erreichen, nicht weil wir eine feste Telefonleitung haben, nein, DAS schafft Telus wohl in diesem Leben nicht mehr zu erschwinglichen Preisen... Weil ich ein altes 3-Watt-Telefon kaufen konnte, und das sendet einwandfrei. Bitte denkt aber an die Zeitverschiebung. Wir sind immer neun Stunden hinter euerer Zeit, wenn es bei euch 5 Uhr Nachmittag ist, dann haben wir erst 8 Uhr frueh des selben Tages!

Unsere Telefonnummer 001 250 395 0756, wenn Ihr uns nicht erreicht, hinterlasst bitte eine Nachricht, wir rufen gerne zurueck. Lasst die "Blechtante" am Telefon aussprechen,  und dann koennt Ihr nach dem Signalton eine Nachricht hinterlassen.

Viele herzliche Gruesse senden Euch 

Wolfgang und Barbara

Canada-Berichte