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Hallo
Freunde,
ich
melde mich mal wieder von der Graham Dunden Ranch, um zu berichten was es neues
gibt. Das letztemal habe ich Euch von dem Kauf eines Trucks erzaehlt. Der Truck
mit seinen 190.000 km faehrt recht gut. Aaaaber..... Neulich mussten wir nach Vancouver, das
ist hin und zurueck eine Tagesreise mit knapp 1.000 km. Da wir
in Vancouver alles rasch erledigt hatten und noch Zeit blieb,
goennten wir uns ausserhalb der Stadt noch ein gutes Abendessen. Gegen
halb neun machten wir
Es ging grade durchs Gebirge (in Hope hatte ich noch getankt und Oel kontrolliert), als ein Krachen und ein Qualmen aus dem Motorraum sowie das Aufleuchten des Zeichens fuer die Lichtmaschine zeigten, dass etwas ganz plotzlich ganz im Argen war. Mir war fast klar: der Keilriemen muss gerissen sein, und ich hielt sofort an. Aus dem Motorraum hat es nur so gequalmt. Ich habe das Auto gesichert und bin nachsehen gegangen. Tatsaechlich war der Keilriemen futsch. Inzwischen war es nachts halb zwoelf, natuerlich war kein Mensch mehr unterwegs. Gottseidank war es wenigstens angenehm warm. Unsere groesste Sorge waren die vorbeidonnernden Riesentrucks, denn bei deren Gewicht und Masse war an anhalten nicht zu denken. Wir hofften nur, dass sie uns beizeiten sehen konnten und zogen unsere weissen T-Shirts ueber die Kleidung. Irgendwann sah ich etwas niedriger angesetzte Scheinwerfer auf uns zukommen: das musste ein PKW sein! Auf mein Winken mit der Taschenlampe hielt das Auto auch gleich an und wir schilderten der Familie, was passiert ist. Die Leute waren echt auf Zack - sie wollten sofort wissen, welchen Typ wir fahren, welches Baujahr etc. etc. Sie versicherten, uns aus der naechstmoeglichen Ortschaft Hilfe zu schicken, die auch wirklich nach cirka 40 Minuten nahte: in Form eines Uralt-Trucks mit einem noch aelteren Fahrer. Die Kombination wirkte wie aus einer anderen Zeit und wir liessen uns ueberraschen, was jetzt wohl kommen sollte. Etwas brummelnd machte er sich mit seinem mitgebrachten Keilriemen ans Werk. Leider hatte er jedoch den falschen Keilriemen dabei, denn er konnte nicht wissen, dass wir einen Diesel haben. Er fuhr also wieder weg, und kam nach 20 Minuten mit atemberaubender Geschwindigkeit (die man weder dem Auto, noch dem Fahrer zugetraut haette) auf der GEGENFAHRBAHN die zahlreichen Kurven schneidend, wieder angebraust - mit dem richtigen Keilriemen. Gemeinsam bauten wir diesen dann ein, und er meinte, ich solle mal den Motor ganz vorsichtig anlassen. Ich sollte ihn aber sofort wieder stoppen, denn - wie er schon richtig vermutet hatte - die Lichtmaschine hatte "sich gefressen". Also fuhr unser Retter wieder von dannen, und kam - seiner Hoellengeschwindigkeit zufolge - nach 20 Minuten wieder an, eine Lichtmaschine von Bosch auf dem Beifahrersitz. Nun ging alles schnell: Keilriemen raus, kaputte Lichtmaschine raus, neue Lichtmaschine rein, Keilriemen rein, alles gut. Was waren wir froh! Wir folgten ihm noch zu seiner Werkstatt, um abzurechnen, und machten uns dann muede, aber erleichtert auf den restlichen Heimweg. Zwar kamen wir erst um 5 Uhr frueh heim, aber wir wurden unterwegs mit einem atemberaubenden Sonnenaufgang entschaedigt.
Unser Container mit all unserem Hab und Gut ist mit einigen Wochen Verspaetung endlich angekommen. Nach einem Besuch bei der Zollbehoerde, der mich 600 Can$ gekostet hat, ist er mittlerweile hier in 100 Mile House eingetrudelt und bereits entladen (Storage). Zoll fiel deshalb an, weil wir extra fuer Canada noch einiges neu angeschafft hatten. So z.B. einen Holzofenbrot-Backofen (ein schweres Wort), eine Teigknetmaschine und eine Wurstfuellmaschine. Auf der Graham Dunden Ranch gibt es naemlich zu gegebener Zeit - wenn Back- und Wursttag - ein frisches Bauernbrot und Fraenkische Bratwuerste.
Die Renovierungsarbeiten im alten Ranch-Gebaeude gehen gut voran, und wir koennen Ende dieser Woche in die neu entstandenen Fremdenzimmer einziehen, solange bis das neue Ranchhaus fertig ist. Im alten Haus haben wir drei gemuetliche Zimmer ausgebaut, fuer das neue Haus ist zwischenzeitlich die Baugrube ausgehoben, und das Abwassersystem wurde letzten Donnerstag vom Health Inspector abgenommen.
Die alte Schule, von der ich Euch erzaehlt habe, haben wir zerlegt. Wir werden sie an einem anderen Ort renoviert wieder aufbauen. Alle Balken wurden numeriert, aber viele muessen ersetzt werden. Das Dach der Schule war mit Erde isoliert und darunter fanden wir Zeitungspapier vom Juni bzw. vom Oktober 1927! Also ist die Schule um diese Zeit erbaut worden. Marco hat beim Zerlegen der Fensterrahmen einen Brief gefunden, leider ohne lesbares Datum. Er ist in polnisch oder ukrainisch geschrieben und wir hoffen, es kann ihn jemand uebersetzen!
Mitten auf der Wiese hat ein Bodenbrueter, ein sogenannter Killdeer (= Regenpfeiffer) sein "Nest" gebaut (eine vorhandene Mulde etwas ausgeweitet und sich zunutze gemacht). Kurz vor Beginn der Baggerarbeiten sind drei Junge geschluepft. Wir haben das "Nest" grosszuegig ausgehoben, und jedesmal wenn Mutter Regenpfeiffer unterwegs war, haben wir das Nest samt umgebender Erde (war schon so seine 40 cm im Durchmesser), und das alles auf einer Schaufel, Stueck fuer Stueck von der Bagger-Grenzlinie weggezogen. Muttern hat es nicht gemerkt und ist immer schoen brav zu den Kleinen zum Trocknen zurueck. Nach wenigen Stunden waren die Kueken verschwunden, und wir dachten ernsthaft, dass sie trotz aller Muehe nun doch einem Raben oder einer Kraehe zum Opfer gefallen sind. Mittlerweile wissen wir aber, dass sie sogenannte Nestfluechter sind, und das Nest verlassen, sobald das Gefieder trocken ist.
Unser Installateur hat uns berichtet, dass er auf unserem Grundstueck eine Baerenmutter mit drei Jungen gesehen hat. Wir hatten leider noch keine Zeit, uns gruendlicher umzusehen, um zu erkunden, wo sie sich aufhalten. Wir sind natuerlich auch vorsichtiger geworden. Gesunde Baeren mit einer natuerlichen Scheu verziehen sich sofort, wenn Menschen auftauchen. Aber wenn sie Junge haben, ist in jedem Falle Vorsicht angebracht.
Uebrigens,
das Sommerwetter ist herrlich. Vorgestern hatten wir Hitze mit 38°C im Schatten.
Heute
ist es mit 28°C wieder etwas ertraeglicher; Regen faellt leider kaum und wenn, dann
scheint nach einer halben stunde wieder die Sonne.
Bis zum naechsten Bericht
Herzliche
Gruesse
von Wolfgang und Barbara
